Was müssen Lehrerinnen und Lehrer über Lernprozesse von Kindern und Jugendlichen wissen? Wie kann Lehren richtig gelernt und Lernen richtig gelehrt werden? Wann hängt der jeweilige Lernprozess vom lernenden Individuum selbst ab und sollte daher differenziert betrachtet werden? Auf welchem Stand befindet sich unser deutsches Schulsystem heute? Peter Struck, Prof. für Erziehungswissenschaften an der Universität Hamburg, war Inputredner des Speedlabs “Lehrer 2.0 – Vom Pauker zur multikompe-
tenten Servicekraft”
am 18.04.2012 in Hamburg zum Thema “Multikompe-
tent – Vom Wandel des Lehrerberufs”
. In den “Lerneffekten” bezieht Peter Struck Stellung zu aktuellen Trends und Fragen der Erziehungs- und Bildungsdebatte in Deutschland.

 

Lerneffekt 1

Regionalschule statt Hauptschule

Den beiden Regierungsparteien CDU und SPD in Kiel ist ein mutiger Schritt gelungen, denn  vom kommenden Schuljahr an werden nicht die vorhandenen Haupt- und Realschulklassen zusammengelegt, aber mit Klasse 5 beginnend wird es eine gemeinsame Orientierungsstufe für die bisherigen Haupt- und Realschüler geben, der eine Regionalschule folgt, in der mit Klasse 9 der Hauptschulabschluss und mit Klasse 10 der Realschulabschluss erreichbar sind. Schleswig-Holstein folgt damit dem Saarland, Mecklenburg- Vorpommern, Sachsen, Thüringen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Bremen und ist Hamburg einen Schritt voraus, in dem Ähnliches geplant ist. weiterlesen

 

Lerneffekt 2

Sitzenbleiben ab jetzt verboten?

In Deutschland bleiben pro Jahr mehr als 250.000 Schüler sitzen, zu zwei Dritteln sind es Jungen. Schleswig-Holstein ist Spitzenreiter unter den 16 Bundesländern, wenn es um das Wiederholen einer Klasse geht. Hamburg gibt jährlich 25 Millionen Euro für seine 3000 Sitzenbleiber aus, so dass schon lange gefragt wird, ob man dieses viele Geld nicht besser in die Förderung schwacher Schüler investieren sollte, statt ihnen mit “Ehrenrunden” ein Jahr ihrer Biografie zu stehlen. weiterlesen

 

Lerneffekt 3

Wohlfühleffekt als Kriterium einer guten Schule

Anfang Dezember 2006 hat Bundespräsident Horst Köhler die fünf besten deutschen Schulen mit Preisen der Robert-Bosch-Stiftung ausgezeichnet. Und dabei ging es nicht wie bei den TIMS-, PISA-, IGLU- und DESI-Studien um mathematische und naturwissenschaftliche Fähigkeiten sowie um Lesekompetenz wie sonst immer, sondern um so etwas wie Integrationsleistung und Schulklima. weiterlesen

 

Lerneffekt 4

Brauchen wir Pflichtelternabende?

Etwa 60 Prozent der deutschen Kinder kommen heute nicht mehr hinlänglich erzogen aus der Familie in die Grundschule. Die klassische Arbeitsteilung, mit der die Familie erzieht und die Schule in Ergänzung dazu bildet, funktioniert heute in unserer komplexen, komplizierten und “globalisierten” Welt voller Werte- und Meinungsvielfalt nicht mehr, auch weil jedes Kind in seiner Eigentümlichkeit eine andere Erziehung benötigt als das nächste, so dass der schulische Bildungsauftrag in der Luft hängt, wenn er nicht mit einem breiteren erzieherischen Rahmen umgeben wird. weiterlesen

 

Lerneffekt 5

Erziehung braucht Gelassenheit und Humor 

Viele Menschen glauben, Lernen und damit Schule müssten vor allem bitter sein. In Finnland, Schweden und Kanada fallen aber den Besuchern aus Deutschland im Vergleich die Gelassenheit und der Witz der Lehrkräfte, die aktiv am Lernen beteiligten Schülergesichter und die Wohnlichkeit der Schulen auf. “Kuschelpädagogik” nennen bei uns böse Zungen das höchst angenehme Schulklima, das ja aber immerhin im Norden sowohl Europas als auch Amerikas so viele positive Lernresultate zeitigt. weiterlesen

 

Lerneffekt 6

Jugendlichen lassen sich nur noch indirekt erziehen

Eltern, Lehrkräfte und die ganze Gesellschaft stehen oft voller Unverständnis vor den pubertären Selbstfindungsprozessen unserer jungen Menschen über 14. Alkoholkonsum, Drogen, Gewalt und der völlig andere Tag-Nacht-Rhythmus machen ihnen Sorgen. Und dann versuchen sie, mit Schreien, Strafen, Moralpredigten oder auch Vergleichen mit früheren Zeiten erzieherisch auf sie einzuwirken, weil sie glauben, das würde etwas bringen. weiterlesen

 

Lerneffekt 7

Erdsiek-Rave will Eignungstests für Lehramtskandidaten

In ihrer Eigenschaft als Präsidentin der Kultusministerkonferenz hat die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave für künftige Lehrer Eignungstests zwischen der ersten Phase des Studiums (Bachelor-Abschluss) und der zweiten Phase (Master- Studiengang), also etwa nach dem vierten Semester, gefordert. In Finnland, dem zweimaligen PISA-“Weltmeister”, hat der Lehrerberuf ein sehr hohes Ansehen, in Deutschland ein relativ niedriges, obschon  deutsche Lehrer etwa ein Drittel mehr Geld bekommen als ihre finnischen Kollegen. weiterlesen

 

Lereffekt 8

Bundesregierung will weniger Schulabbrecher

Die ehemalige baden-württembergische Kultusministerin und jetzige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) möchte die Schulabbrecherquote in Deutschland von zur Zeit 8,2 Prozent aller Schüler, von denen etwa zwei Drittel Jungen sind, bis zum Jahr 2012 halbieren. Da fragt man sich: “Wie will sie denn das hinkriegen?” Denn die Bundesregierung ist gar nicht für die Schulen zuständig; mit der “Kulturhoheit”, zumal nach der Förderalismusreform, sind es allein die Länder. weiterlesen

 

Lerneffekt 9

Wie wird die Gemeinschaftsschule aussehen?

Die Gemeinschaftsschule, die so etwas wie eine neunjährige Grundschule ist, wird ab August an neun oder zehn Standorten in Schleswig-Holstein eingerichtet sein. Sie steht als Regelschule nun auch aufgrund einer Vereinbarung der Großen Koalition von CDU und SPD im Schulgesetz. In einer “Landesverordnung” ist geregelt, wie sie im Detail gestaltet sein soll. Sie verpflichtet die Lehrkräfte zur “individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler”; so etwas hat es bislang in Deutschland noch nicht gegeben, und deshalb besteht bundesweit große Spannung, wie dieses Ziel wohl umgesetzt wird. weiterlesen

 

Lerneffekt 10

Lesenkönnen ist eine “Türöffnerkompetenz”

Von dem, was ein junger Mensch einmal liest, bleibt im Durchschnitt nur zehn Prozent auf Dauer haften. Lesen bringt also einerseits für das Lernen nicht so viel wie Aussprechen, Erklären, Handeln und Präsentieren; andererseits ist Lesen aber eine “Türöffnerkompetenz”, wie das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin formuliert. Denn wer nicht lesen kann, kann auch nicht gut Geschichte oder Biologie lernen und später keinen Überweisungsauftrag ausfüllen oder einen Mietvertrag verstehen. weiterlesen

 

Lerneffekt 11

Lernen ohne Angst wandelt “Streber” zur Elite

Die deutschen Schulen haben drei Besonderheiten, die es so in Skandinavien nicht gibt: Schwache Schüler haben Angst vor schlechten Noten, gute Schüler haben Angst, als “Streber” von Mitschülern gemobbt zu werden, und der Lehrer entspricht ganz oft einem Feindbild aus der Sicht von Schülern und Eltern. weiterlesen

 

Lerneffekt 12

Wenn Erwachsene vergessen, dass sie mal Kinder waren

Vilém Flusser (1920-1991) war Kommunikations- und Medienphilosoph. Er hat sich noch im hohen Alter ständig angeschaut, wie Kinder spielen und wie sie kommunizieren. Trotzdem waren sie für ihn ziemlich fremde Wesen, denn er merkte, dass die meisten Erwachsenen dazu neigen, zu vergessen, wie sie sich früher einmal als Kind von innen angefühlt haben. weiterlesen

 

Lerneffekt 13

Was Spaß am Lernen bringt: Beispiel Polen

Es gibt in Deutschland viele gute Lehrer; manche haben aber Spaß daran, Kinder fertig zu machen. Sie ziehen ihren Stoff durch und überlassen alles Andere dem häuslichen Nachhilfeunterricht. Sätze wie “Du wirst es nie schaffen” oder “Ich hatte noch nie eine so schlechte Klasse” gehören zum Alltag in deutschen Schulen. In Finnland hingegen setzen sich Lehrer nach dem Unterricht noch mit einem Schüler hin, um ihm zu helfen, und die Schüler haben die Privatnummern sämtlicher Lehrkräfte in ihrem Handy. weiterlesen

 

Lerneffekt 14

Deutsche Schulen benötigen eine andere Fehlerkultur

Schule verändert sich nicht nur, weil Deutschland immer häufiger guckt, wie es Finnland, Schweden, Kanada und die Niederlande mit ihren Erfolgsmodellen machen. Schule verändert sich nicht nur, weil immer mehr Eltern andere Schulen wollen und deshalb pro Jahr etwa 50 neue Privatschulen eröffnet werden. Schule verändert sich nicht nur, weil uns die Hirnforscher belegen, wie falsch wir es mit dem Lernen organisiert haben. Schule verändert sich auch, weil immer Betriebe in Deutschland, zumal Großbetriebe, anders qualifizierte Bewerber haben wollen. weiterlesen

 

Lerneffekt 15

Alle Schulen privatisieren

Für so manchen deutschen Schulbürokraten war ein Schock, was Dieter Lenzen, der Präsident der Freien Universität Berlin, da als Gutachten des “Aktionsrates Bildung” im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft vorgelegt hat: Privatisierung aller Schulen, Abschaffung des Beamtenstatus von Lehrern, befristete Zeitverträge für Lehrer, Vorschulpflicht vom 4. Lebensjahr an sowie viel mehr Geld für den Vor- und Grundschulbereich, Zusammenfügen von Hauptschulen und Realschulen und eine deutlich länger währende Grundschule; das sind die Forderungen des sechsköpfigen hochkarätigen Expertenteams. weiterlesen

 

Lerneffekt 16

Haben wir in Deutschland die richtigen Lehrer?

Es gibt ein Land, in dem viele der besten Abiturienten Lehrer werden wollen, obwohl Lehrer dort ein Drittel weniger verdienen als in Deutschland. In diesem Land haben Lehrer ein sehr hohes Ansehen – in Deutschland nicht. „Faule Säcke“ hat Gerhard Schröder die deutschen Pädagogen einmal genannt. Horst Köhler hat sich dafür unlängst indirekt entschuldigt, indem er die deutschen Lehrer als „Helden des Alltags“ bezeichnete. Und in diesem eingangs erwähnten Land kommen auf 100 Studienplätze Richtung Lehramt etwa 1000 Bewerber. Das bedeutet strenge Auswahlverfahren; keine Prüfung in diesem Land ist so schwierig wie die, die dem Lehrerstudium vorausgeht. Aber dabei richtet man sich nicht nach Noten im Abiturzeugnis, sondern nach etwas ganz anderem, nämlich danach, ob die künftigen „Lernberater“ den Schülern gut tun. weiterlesen

 

Lerneffekt 17

Nachhilfeland Deutschland

Wir brauchen Lehrer für Schüler, nicht für Fächer. Ein deutscher Gymnasiallehrer weiß immer, dass er Paul jederzeit wieder los werden kann: Er kann ihn sitzen lassen, er kann ihn zur Realschule zurücklaufen lassen und er kann ihn mit Hilfe von anderen Lehrern und dem Schulleiter sogar der Schule verweisen. Er muss sich also nicht auf die besondere Lern- und Motivationslandschaft von Paul einstellen. Ein finnischer Lehrer hingegen weiß immer, dass er Janne sowieso nie los wird. Es gibt dort kein gegliedertes Schulwesen, es gibt kein Sitzenlassen, es gibt keine Sonderschulen, und die nächste Schule ist 180 km entfernt. weiterlesen

 

Lerneffekt 18

Es gibt auch „dummerhaftige“ Studien

Manche Studien sind wirklich blöd, aber mit ihnen können sich Wissenschaftler irgendwie profilieren und zugleich ist keine Studie blöd genug, als dass nicht allzu gern die Presse darüber berichtet.

So gab es vor einiger Zeit eine kanadische Studie, die glauben machen wollte, dass Linkshänder im Schnitt sieben Jahre früher sterben als Rechtshänder. Eine Studie der Universität Boston entblödet sich nicht, zu dem Ergebnis zu kommen, dass Ohrfeigen dick machen. Und Psychologen der britischen Universität Warwick kommen zu dem Schluss, dass hochbegabte junge Menschen mit einem IQ von über 130 zwischen 11 und 19 Jahren Heavy-Metal-Musik bevorzugen. weiterlesen 

 

Lerneffekt 19

Der Wettlauf zum Abitur beginnt immer früher

Wenn vor zehn Jahren ein fünfjähriges Mädchen eingeschult wurde, weil es schon im Kopf so weit war, war das schlimm. Ein solches Mädchen hatte eine große Chance, Außenseiterin zu werden, ständig wegen seiner Kleinheit gemobbt bzw. gehänselt und ausgegrenzt zu werden, es fand keine Freundinnen und wurde oft seelisch krank. Heute sind schon in manchen Regionen ein Drittel aller Schulanfänger erst fünf Jahre alt. weiterlesen

 

Lerneffekt 20

Wenn Behörden „ein Rad ab“ haben

„Die Leute von Schilda“, das ist eine wahre Geschichte. Aber noch heute haben Bürger gelegentlich das Gefühl, Behörden hätten „ein Rad ab“, wie der Volksmund formuliert. Da werden jedes Wochenende in Hamburg Großveranstaltungen mit allsonnabendlichen Großfeuerwerken gegen 23 Uhr und kompletten Stadtteilsperrungen für den Verkehr genehmigt, die da heißen „Japanisches Kirschblütenfest“, „Alstervergnügen“, „Harley-Treff“, „Motorradgottesdienst“, „Marathon“, „Halbmarathon“, „Triathlon“, „Dom“, „Hafengeburtstag“, „Die Queen-Mary 2 läuft ein“ usw., so dass viele Hamburger eine Bürgerinitiative gründen, um gelegentlich mal sonntags ohne Behinderung durch die Stadt kommen zu können. Da werden junge Bäume gepflanzt, mit einem dicken Tau an einen Pfahl gebunden und nach drei Jahren ist der Baum tot, weil er sich mit seinem Wachsen an dem Tau stranguliert hat. weiterlesen

 

Lerneffekt 21


Noten für Lehrer

In Nordrhein-Westfalen begann schon vor vielen Jahren ein Modellversuch, mit dem Studierende am Schluss des Semesters ihre Professorinnen und Professoren bewerten. Nachlesen kann man die Ergebnisse auf der Internetseite www.meinprof.de. Mittlerweile gibt es solche Angebote auch für Schülerinnen und Schüler.


Auf der Internetseite www.spickmich.de können Lernende ihre Lehrkräfte in neun Aspekten bewerten: sexy, cool, beliebt, motiviert, menschlich, gelassen, Unterrichtsqualität, Prüfungsverhalten und Notengerechtigkeit. Über 100.000 Mal wurden dafür bislang die Schulnoten eins bis sechs vergeben. Folge: wütende Beschimpfungen per Brief oder Mail an die Initiatoren, die zum Schluss kommen: Die Lehrkräfte ertragen so etwas nicht, muten ihren Schülerinnen und Schülern aber Ähnliches zu. Hier stimmt also die Symmetrie des Umgangs miteinander nicht. Klar, könnte man sagen, Lehrkräfte hätten Lebenserfahrung, beherrschten den Unterrichtsstoff, sind älter und weiser und seien deshalb legitimiert, über junge Menschen zu urteilen, junge Menschen hingegen könnten gar nicht ermessen, was gute und schlechte Lehrende sind.
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Lerneffekt 22

Schulverbund „Blick über den Zaun“

Oft werde ich von Eltern gefragt, ob ich ihnen eine „gute“ Schule empfehlen könne. Nun ist einerseits klar, dass die Frage je nach Besonderheit des einzelnen Kindes anders beantwortet werden muss und dass andererseits meist Wegeprobleme im Wege stehen; denn was nützt es einer Familie, wenn die nächste besonders „gute“ Schule 150 km entfernt liegt? Aber ich kenne Familien, die von Hamburg nach Wiesbaden, Jena, Friedrichshafen, Potsdam oder Herten umgezogen sind, um ihrem Kind eine optimale Lernsituation zu verschaffen. Die besonders erfolgreichen deutschen Schulen haben sich mit Unterstützung der Robert-Bosch-Stiftung zu einem Schulverbund mit dem Namen „Blick über den Zaun“ zusammengefunden, um, wie die Formulierung bereits verrät, voneinander zu lernen.
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Lerneffekt 23

Nicht bei jedem Lehrer wird gelernt

Der berühmte Hirnforscher Manfred Spitzer aus Ulm behauptet: „Der Lehrer ist mit weitem Abstand wichtigster Faktor beim Lernen in der Schule (…), man kann nicht sagen, woran das liegt, aber man sieht es sofort, dem einen hängt die Klasse an den Lippen, der andere kann machen, was er will, und keiner hört zu“.

Damit will er aber nicht sagen, dass der Lehrer, die Lehrerin für seine Schülerinnen und Schüler lernen könne, das können sie nur selbst. Er ist also nur so etwas wie ein Medium, ein Motivator, jemand, der für die Lernatmosphäre zuständig ist, nicht für das Lernen selbst, denn die Schüler und Schülerinnen müssen beim Lernen die Tore selber schießen, nicht der Lehrer oder die Lehrerin – wie die Finnen sagen.
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Lerneffekt 24

Ob was gelernt wurde, weiß man frühestens nach sechs Wochen

Wenn es ein Abiturient oder eine Abiturientin schafft, während der letzten vierstündigen Mathe- Abschlussklausur in Begleitung der zweiten Aufsichtsperson, die vor der Tür des Klos warten muss, per Handy tonlos von einem zu Hause sitzenden Freund die Lösung einer schwierigen Aufgabe vom Display seines Handys abzulesen, ohne dass die Aufsichtsperson das merkt und deshalb eine gute Punktzahl in Mathe bekommt, dann hat er eine gute Note verdient, denn er hat sich unter erschwerten Bedingungen als außerordentlich erkundungsstark erwiesen. Die bisherige Schule ordnet so etwas aber als Betrugsversuch ein. Es ist heute nicht unabdingbar wichtig, auf Kommando die Hauptstadt von Burkina Faso hersagen zu können, wichtig ist zu wissen, wie man das ganz schnell herausbekommt. Man sollte allerdings wissen, wie die Hauptstadt von Italien heißt, denn das gehört zum allgemeinbildenden Fundamentum. weiterlesen

 

Lerneffekte 25

Einheitliche Schulbücher?

Die Schulbuchverlage werden sich freuen: Annette Schavan, die Bundesbildungsministerin äußerte den Wunsch, einheitliche Schulbücher für ganz Deutschland zu entwickeln. Nun ist Schule zwar Ländersache, aber sie will ihren Plan mit finanzieller Unterstützung des Bundes schmackhaft machen. Den Schulbuchverlagen ging es in letzter Zeit schlecht: Die vielen Bundesländer und Schulformen, die ständigen Reformen nicht nur der Rechtschreibung, sondern auch der Lehr- bzw. Bildungspläne und zudem die Sparmaßnahmen in den Landeshaushalten sorgten für relativ kleine Auflagen der mehr als 2.000 unterschiedlichen Schulbücher, und sie führten auch dazu, dass so mancher Lehrer das Kopieren von Texten in Klassenstärke für sinnvoller hielt, als Schulbücher zu kaufen. weiterlesen

 

 

Foto: Flickr/Robert of Fairfax
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