Die ehemalige baden-württembergische Kultusministerin und jetzige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) möchte die Schulabbrecherquote in Deutschland von zur Zeit 8,2 Prozent aller Schüler, von denen etwa zwei Drittel Jungen sind, bis zum Jahr 2012 halbieren. Da fragt man sich: “Wie will sie denn das hinkriegen?” Denn die Bundesregierung ist gar nicht für die Schulen zuständig; mit der “Kulturhoheit”, zumal nach der Förderalismusreform, sind es allein die Länder.

 

Alle vergleichbaren Staaten, also auch schulisch gesehen besonders gute wie Schweden und Finnland haben etwa zehn Prozent „drop outs“, also Schüler, die keinen Schulabschluss erreichen. Offenbar handelt es hierbei um eine ganz normale “Schallgrenze”, die kaum zu unterbieten ist, die Deutschland aber durchaus schon jetzt unterschreitet. Etwa zehn Prozent der jungen Menschen scheinen nicht für die Schule geboren zu sein, aber durchaus für das Leben und eventuell auch für berufliche Erfolge, wie wir von den hochbegabten Schülern mit einem Intelligenzquotienten (IQ) über 130 wissen. 350.000 haben wir davon in Deutschland. Und sie kommen besonders selten bei einem Schulabschluss an, weil sie spätestens nach der siebten Schule, denn sie wechseln ständig wegen Langeweile, Unterforderung und Mobbing durch Mitschüler, meist in Klasse 8 oder 9, zu ihrer Mutter sagen: “Da gehe ich nun nie wieder hin, da kannst du machen, was du willst”.

 

In Bremen gibt es eine Klasse für “Schulvermeider”, in Hamburg eine “Produktionsschule”, zwei Einrichtungen, in denen Schüler, die nicht mehr in gewöhnliche Schulen wollten, über konkrete produktive Arbeit (Gewächshäuser bauen, Gemüse und Blumen züchten, Teile für den Airbus fertigen) und mit einem Stundenlohn so ganz nebenbei auch viel lernen und so locker zumindest bis zum Hauptschulabschluss kommen. Wenn man also mehr junge Menschen zu einem Schulabschluss bringen will, muss man das Lernen anders organisieren, und man muss es dann mit einem Hochmaß an Motivation verbinden, frei nach dem Motto des Hirnforschers Manfred Spitzer: “Das Gehirn will immer lernen, man kann es nicht am Lernen hindern; wir könnten jeden Hauptschüler zum Abitur bringen, wenn wir nur wüssten, wie das geht”.

 
 
Autor: Peter Struck, Foto: Flickr/Robert of Fairfax
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