In ihrer Eigenschaft als Präsidentin der Kultusministerkonferenz hat die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave für künftige Lehrer Eignungstests zwischen der ersten Phase des Studiums (Bachelor-Abschluss) und der zweiten Phase (Master- Studiengang), also etwa nach dem vierten Semester, gefordert. In Finnland, dem zweimaligen PISA-“Weltmeister”, hat der Lehrerberuf ein sehr hohes Ansehen, in Deutschland ein relativ niedriges, obschon  deutsche Lehrer etwa ein Drittel mehr Geld bekommen als ihre finnischen Kollegen. In Finnland wollen die besten Abiturienten durchweg Lehrer werden,  in Deutschland ist so etwas nicht augenfällig.

 

Von den vielen Bewerbern in Finnland werden aber nur etwa zehn Prozent in das Lehrerstudium aufgenommen, und zwar vor allem über Eignungstests, die weniger Wissen oder Durchschnittsnoten zu erkunden trachten, sondern die eher qualifizierend über Hochschullehrer und Lehrerausbilder einschätzen, was besonders gut Kindern und Jugendlichen zugemutet werden kann. In Deutschland wird dagegen nach Gerechtigkeitsgesichtspunkten “ohne Ansehen der Person” zum Studium zugelassen und später, von Personalräten kontrolliert, eingestellt: Fächerkombination, Notenskala, soziale Besonderheiten wie alleinerziehend und mit Kindern, Behinderungen und Alter. Der “pädagogische Eros” und so etwas wie Johann Heinrich Wicherns “Charisma” spielen bei uns keine Rolle. Jedenfalls gibt es wichtigere Aspekte an einer Lehrerpersönlichkeit für einen erfolgreichen Umgang mit jungen Menschen als eine Durchschnittsnote bei Abitur, der soziale Stand, das Alter oder die Abschlussnote der Bachelorphase.

 

Eigentlich muss man Schüler befragen, was sie an Lehrern schätzen: Humor, Gelassenheit, Engagement auch außerhalb des Unterrichts, ein gutes Wissen auch über das zu unterrichtende Fach hinaus und “dass man bei ihnen etwas lernt”, also so etwas wie Methodenkompetenz. Viele deutsche Schulleiter sind ja mittlerweile schon froh, dass sie mit der Personalhoheit, die man ihrer Schule zugesteht, das machen können, was man in Nordrhein-Westfalen “schulscharfe Einstellung” nennt, dass sie also ihre Lehrer selbst auswählen dürfen, und dabei geht es dann nur selten um so etwas wie Durchschnittsnoten! Der Vorschlag von Ute Erdsiek-Rave ist also um unserer Kinder willen zu begrüßen; nur man muss sich darüber im Klaren sein, dass solche Eignungstests mit Einschätzungen und nicht etwa mit Gerechtigkeit vorgehen, das aber ist dann zwar für die Kandidaten weniger gerecht, aber für die Schüler hingegen umso mehr! Schon immer war ich der Meinung, dass man nicht Abiturienten mit einem Zeugnisschnitt von 0,9 bis 1,3 per Numerus Clausus zum Lehramtsstudium zulassen sollte, sondern wenn schon eine Marge von 0,4 sein soll, dann doch lieber diejenigen, die ihr Abi zwischen 2,9 und 3,3 bauen; meist sind dass dann später die etwas besseren Lehrer.

 
 
Autor: Peter Struck, Foto: Flickr/Robert of Fairfax
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