„Die Leute von Schilda“, das ist eine wahre Geschichte. Aber noch heute haben Bürger gelegentlich das Gefühl, Behörden hätten „ein Rad ab“, wie der Volksmund formuliert. Da werden jedes Wochenende in Hamburg Großveranstaltungen mit allsonnabendlichen Großfeuerwerken gegen 23 Uhr und kompletten Stadtteilsperrungen für den Verkehr genehmigt, die da heißen „Japanisches Kirschblütenfest“, „Alstervergnügen“, „Harley-Treff“, „Motorradgottesdienst“, „Marathon“, „Halbmarathon“, „Triathlon“, „Dom“, „Hafengeburtstag“, „Die Queen- Mary 2 läuft ein“ usw., so dass viele Hamburger eine Bürgerinitiative gründen, um gelegentlich mal sonntags ohne Behinderung durch die Stadt kommen zu können. Da werden junge Bäume gepflanzt, mit einem dicken Tau an einen Pfahl gebunden und nach drei Jahren ist der Baum tot, weil er sich mit seinem Wachsen an dem Tau stranguliert hat.

 

Die Hamburger Schulbehörde hat nun eine besonders interessante neue Idee, die bei den Betroffenen zu einhelligem Kopfschütteln führt. Während schon immer wieder beklagt wurde, dass in manchen Verordnungen und Erlassen der Schulbehörde die Wörter Kinder, Schüler oder junge Menschen nicht einmal vorkommen, so dass man meinen könnte, Schule sei nicht für Schüler, sondern nur für Bildungspolitiker, Behördenmitarbeiter und Lehrer da, gibt es nun folgende Neuerung: Eine nette Kellnerin in einem Hamburger Café zeigte mir voller Stolz das Zeugnis ihrer zwölfjährigen Tochter, die am Schluss der Klassenstufe 6 nur Einsen und Zweien hat. Und da las ich zwischen den üblichen Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch, Sport, Musik und Technik dann auch: PING 2. Also frage ich die Kellnerin, was denn PING sei. Sie wisse es nicht, bedauerte sie, aber sie wusste es mal. Sie werde ihre Tochter fragen.

 

Drei Tage später erhielt ich die Antwort: PING sei ein ordentliches Unterrichtsfach in Klasse 6 und stehe für „Praxisintensive Naturwissenschaftliche Gemeinschaftskunde“. Das war ein Schock. „Was wird denn da unterrichtet, fragte ich, denn Gemeinschaftskunde und Naturwissenschaften in einem Begriff, das hört sich zunächst widersprüchlich an. Nun, da musste sie erneut bei ihrer Tochter nachfragen.

 

Zwei Tage später kam die Antwort: „So richtig habe ich das nicht verstanden, aber da wird gebastelt, gekocht, und etwas Technik wie Magnetismus und Elektrizität gehören auch dazu“ Technik stand aber übrigens ohnehin separat im Zeugnis, da hatte die Tochter eine 1.

 

Ein Zeugnis soll ja nicht nur dem Schüler Auskunft über den Leistungsstand geben, sondern auch den Eltern. Die Kellnerin geht übrigens zu jedem Elternabend und sie hat auch mal gewusst, was PING bedeutet, aber nun weiß sie es nicht mehr so richtig, obwohl die Tochter es ihr zweimal erklärt hat… Hat die Hamburger Schulbehörde „ein Rad ab“?

 

Autor: Peter Struck

Foto: Flickr/Robert of Fairfax

 

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