Manche Studien sind wirklich blöd, aber mit ihnen können sich Wissenschaftler irgendwie profilieren und zugleich ist keine Studie blöd genug, als dass nicht allzu gern die Presse darüber berichtet.

 

So gab es vor einiger Zeit eine kanadische Studie, die glauben machen wollte, dass Linkshänder im Schnitt sieben Jahre früher sterben als Rechtshänder. Eine Studie der Universität Boston entblödet sich nicht, zu dem Ergebnis zu kommen, dass Ohrfeigen dick machen. Und Psychologen der britischen Universität Warwick kommen zu dem Schluss, dass hochbegabte junge Menschen mit einem IQ von über 130 zwischen 11 und 19 Jahren Heavy-Metal-Musik bevorzugen. Zwar wird in den Studien immer zugleich relativiert, dass kein direkter Stoffwechsel-, neuroelektrischer oder gar genetischer Zusammenhang zwischen Linkshändigkeit und Lebenserwartung, zwischen Fettleibigkeit und Geschlagenwerden sowie zwischen Intelligenzhöhe und Musikgeschmack nachweisbar ist, aber der hergestellte indirekte Zusammenhang tröstet auch nicht.

 

So wird gewaltsam ein Zusammenhang zwischen Linkshändigkeit, dadurch bewirkten häufigeren Niederlagen im Lebensvollzug des Alltags zwischen „Spaddeligkeit“ und Gehänseltwerden sowie erhöhtem Frustrationspotenzial und Lebensverdruss hergestellt. So wird behauptet, dicke Kinder haben oft autoritäre Eltern, die ihre Kinder zwingen, die Teller leer zu essen, so dass sie lernen, ihr Sättigungsgefühl zu ignorieren und über den Hunger oder Appetit weit hinaus weiter zu essen, bis sich Gewöhnung an den Zusammenhang zwischen viel Essen, Wohlverhalten und Zufriedenheit der sozialen Umwelt einstellt. Und bei den IQ-starken Heavy-Metal-Fans wird geschlussfolgert, dass Hochbegabte einen Mangel an sozialen Kontakten mit Gleichaltrigen haben, wodurch sie gemobbte Außenseiter mit geringem Selbstwertgefühl werden, so dass sie aggressiv geraten und in der Heavy-Metal-Musik ein Ventil suchen, um Aggressionen abzubauen.

 

Zur Beruhigung direkt betroffener Leser, also der Linkshändigen, Übergewichtigen und Hochbegabten sei gesagt: Keine Studie ist dumm oder sagen wir besser falsch genug, als dass sie nicht noch ihre Leser finden wird. Offenbar gilt auch hier ein über das Knie gebrochener Zusammenhang: Wer sich als Wissenschaftler nicht erfolgreich genug fühlt, muss eine besonders absurde Studie erstellen, um wenigstens einmal weltweit eine hohe Aufmerksamkeit zu erzielen. Denn welcher Wissenschaftler will schon irgendwann sterben, ohne dass ein Kollege gemerkt hat, dass es ihn überhaupt gab?

 

Autor: Peter Struck

Foto: Flickr/Robert of Fairfax

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