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Dialog macht Schule

Dialog macht Schule ist ein bundesweit angelegtes Bildungs-
programm, das Persönlichkeitsentwicklung, politische Bildung und Integration für Jugendliche und Schulen auf neue Weise zusammenbringt.

 

 

Der demografische Wandel und die damit verbundenen Herausforderungen, vor allem in Ballungsgebieten wie Berlin, Stuttgart u.v.a. stellen die politische Bildung vor neue Herausforderungen: Wie erreicht man bildungsferne Jugendliche mit Migrationshintergrund und aktiviert sie für politische Themen und gesellschaftliche Teilhabe? Wie vermittelt man dieser Zielgruppe die nötigen demokratischen Kompetenzen, um sich selbst eine Stimme in der Gesellschaft zu geben, in der sie aufwachsen? Um auf diese Fragen eine Antwort zu finden,  haben die Robert Bosch Stiftung und die Bundeszentrale für politische Bildung 2009 das Projekt „Dialog macht Schule” (bis 2012 “Jugend Religion Demokratie”) auf den Weg gebracht. Seither bieten wir Schulen mit einem hohen Anteil an Schülerinnen und Schülern aus Zuwandererfamilien ein neues Format für politische Bildung.

 

 Eine Dokumentation der Arbeit der Berliner Dialogmoderatorinnen und -moderatoren.

 

Ziele und Herausforderungen

Politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft steht heute vor einer großen Aufgabe: An vielen Schulen wächst eine neue Generation von Kindern aus Einwandererfamilien heran – oft aus sogenannten bildungsfernen Schichten –, die weder von den klassischen Methoden und Produkten der politischen Bildung wirklich erreicht werden noch im Regelunterricht ausreichende Unterstützung für ihr Heranwachsen als deutsche Staatsbürger und für ihre Möglichkeiten in einer Demokratie bekommen. Bildungsmäßige Benachteiligung gehen mit Rollen- und Identitätskonflikten zwischen der Heimat der Eltern und Großeltern und der ‚deutschen’ Umgebung Hand in Hand.

 

„Waren es in den 1960er Jahren (…) die ‘katholischen Arbeitermädchen vom Lande’, so erscheinen heute die ‘Unterschichtjungen mit Migrationshintergrund aus den Ballungszentren’ als die bildungsmäßig am stärksten benachteiligte Gruppe. Das betrifft die soziologisch festgestellte Bildungsbeteiligung wie den psychologisch eruierten Kompetenzerwerb. Die Einflüsse von Geschlecht, Region spielen heute für die Bildung keine Rolle mehr. (…) Dafür ist jetzt die Bedeutung von Stadtquartier, Migrationsgeschichte und Bildungshintergrund in den Vordergrund getreten.“ (Heinz Bude, Bildungspanik, 2011, Schriftenreihe der bpb, S .50)

 

Daher müssen neue  Formate entwickelt werden, um auch diejenigen Jugendlichen zu erreichen, die mit Politik zunächst wenig anzufangen wissen und von den klassischen Angeboten politischer Bildung nicht erreicht werden. Zwischen den Strukturen und Kompetenzen der Bildungseinrichtungen und diesem Bedarf klafft jedoch eine große Lücke.

 

Eine Dokumentation der Arbeit der Stuttgarter Dialogmoderatorinnen und -moderatoren. 

 

Dialog macht Schule

Das Projekt bietet ein neues Format an, das dazu beitragen kann, diese Lücke zu schließen: An ausgewählten Schulen in Berlin-Neukölln und Stuttgart haben wir seit 2009 (über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren laufende) ‚Dialoggruppen’ etabliert – zur Zeit 20 Gruppen mit fast 300 Schülerinnen und Schülern – vornehmlich aus Einwandererfamilien. Die Gruppen laufen wöchentlich, entweder im Rahmen freiwilliger AGs oder als Teil des Politik- oder Ethikunterrichts. Dadurch wird die Gruppe der jungen bildungsfernen Jugendlichen dort erreicht, wo ihr Bildungsprozess gelingt oder scheitert.

 

Kern der Methodik ist eine dialogische Herangehensweise, die den Schülerinnen und Schülern Raum für eigene Themen und Inhalte lässt sowie eine persönliche und nicht durch schulische Zwänge bestimmte Beziehung zu den Dialogmoderatoren ermöglicht.  

 

Kernelemente:

  • – Jugendliche werden als Gesprächspartner ernst genommen und können – soweit es der Rahmen ermöglicht – ihre Themen selbst bestimmen.
  • – Ein Vertrauensraum wird aufgebaut, den es in dieser Form in der Schule nicht gibt.
  • – Themen der Lebenswelt werden mit Politik, Themen der Politik werden mit der jugendlichen Lebenswelt verknüpft.
  • – Kompetenzen der politischen Bildung (Urteilsfähigkeit, Handlungsfähigkeit, methodische Fähigkeiten) werden schrittweise – angepasst an die Altersstufen und Vorkenntnisse – entwickelt.
  • – Eigene Projekte ermöglichen Erfolgserlebnisse und die Erfahrung von Selbstwirksamkeit.
  • – Das Projekt verschafft Schulen einen Mehrwert für die Entwicklung einer dialogischen Schulkultur; die schulische Kommunikation kann durch gezielte Projekte mit den Dialoggruppen verbessert werden.  

 

 Die Dokumentation der Arbeit der Dialogmoderatorinnen und -moderatoren mit englischen Untertiteln.

 

 

Dialogmoderatoren auf werkstatt.bpb.de

 

Das Projekt beschäftigt ein gemischtes Team aus 17 jungen Dialogmoderatoren zwischen 20 und 35 Jahren. Fast alle kommen aus Einwandererfamilien; die ‚Migrationshintergründe’ sind so bunt und vielfältig wie die der Schülerschaft an sogenannten Brennpunktschulen: Albanien, Griechenland, Vietnam, Türkei, Iran, Ungarn, Libanon sind die Herkunftsländer der Moderatoren.

 

Unter ihnen sind angehende Politiologen, Lehramtskandidaten, Psychologen, Kommunikationswissenschaftler und Sozialpädagogen. Die Moderatoren haben pädagogische Vorkenntnisse und Kompetenzen für die Gruppenarbeit mit Schülern. Durch intensive Fortbildung und regelmäßige Auswertungsworkshops werden sie auf ihre Aufgabe vorbereitet.

 

Auch wir sehen uns als ‚Werkstatt’, als ‚lernendes Projekt’, das mit immer neuen Umwegen, Rückschlägen und Überraschungen bei der Intervention in einem komplexen sozialen Umfeld rechnet. Erste Erfahrungen, Ideen und methodische Vorschläge stellen wir in den nächsten Monaten regelmäßig hier zur Diskussion. Wir freuen uns auf viele interessante Rückmeldungen und Kontakte.

 

Von Christoph Müller-Hofstede 

 

 

 

 

Weitere Informationen zum Projekt “Dialog macht Schule”:

 

Die Dialogmoderatoren und -moderatorinnen berichten auf werkstatt.bpb.de in einer losen Reihe aus ihrem Alltag an den Projektschulen. Einen erster Beitrag über die Bedeutsamkeit von Vertrauen bei ihrer Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern gibt es hier.

 

In ihrem zweiten Artikel berichten die Dialogmoderatoren über den Einsatz des Web 2.0 in ihren Gruppensitzungen.

 

Am 19. November 2012 veranstaltete die Dialog macht Schule gGmbH mit Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung Berlin den Diskussionsabend “Neue Wege der politischen Bildung in der Einwanderungsgesellschaft”, der in diesem Videozusammenschnitt dokumentiert ist.

 

 

 

Am 12. März 2012 fand eine Vorstellung des Mentorenprojekts “Dialog macht Schule”, die hier in einem Videozusammenschnitt dokumentiert ist.

 

 

Auch DRadioWissen berichtet über die Veranstaltung und das Projekt.

 

tv.berlin spricht am 14. April 2012 im Frühcafé-Talk mit den beiden Dialogmoderatoren Schady Ali-Abassi und Hassan Asfour.

 

Hassan Asfour gab MDR Info ein Audio-Interview, das hier angehört werden kann. 

 

Dialog macht Schule

Dialog macht Schule ist ein bundesweit angelegtes Bildungs-
programm, das Persönlichkeitsentwicklung, politische Bildung und Integration für Jugendliche und Schulen auf neue Weise zusammenbringt.

 

 

 

  

 

  

bpb/Foto: Nikolaus Brade

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