Mediennutzung aus Schülersicht

 

Berlins Schulen werden kreidefrei! Über 90 Prozent der Jugendlichen besitzen ein internetfähiges Handy! Schon Grundschüler_innen sollten kleine Apps programmieren können! – Forderungen, Behauptungen, Schlagzeilen und Visionen wie diese bestimmen die Medienlandschaft. Aber wie sieht die Mediennutzung Jugendlicher im Einzelfall tatsächlich aus? Wir haben unseren Schülerpraktikanten Frederik (14) um einen kleinen Einblick gebeten. Hier sein persönlicher Bericht:

 

“Wie werden elektronische Medien in der Schule und bei einem Schüler außerhalb der Schule benutzt? Ich bin Frederik, Schüler an einem Berliner Gymnasium und zeige euch, wie es bei mir in der Schule und in der Freizeit in Bezug auf Smartphones, Computer und Smartboards so abläuft.

 

Kreidefreie Schule!?

Berlin soll ja kreidefrei werden. Das merke ich auch bei mir in der Schule. Als ich in der 7. Klasse auf das Gymnasium kam, gab es schon interaktive Whiteboards (ein riesiges Tablet mit Beamer, Touchscreen und Tafelfunktion, das an einen Computer angeschlossen ist). Vielleicht ein Viertel der Räume waren damals mit einem solchen Board ausgestattet. Jetzt bin ich in der 9. Klasse und inzwischen sind es bestimmt 60 bis 70 Prozent der Räume. Wie ich das finde? Durchwachsen.

 

Es ist natürlich richtig cool, wenn die Lehrer auf Youtube Videos zum Stoff zeigen können, Filme in groß und mit guten Sound geguckt werden können, Präsentationen am interaktiven Whiteboard gehalten werden können und man mit den interaktiven Tafelfunktionen viel mehr Möglichkeiten hat als bei einer normalen Tafel. Wenn es nur funktionieren würde. Erstmal fährt das Gerät ewig hoch (die Computer sind natürlich nicht die besten). Dann kann man sich manchmal aufgrund von Serverproblemen nicht anmelden oder etwas anderes funktioniert nicht. Außerdem werden die Boards meist nur als Schreibtafel benutzt. Das liegt daran, dass die Lehrer oft gar nicht wissen wie man die Geräte bedient. Wir gucken bestimmt noch die Hälfte der Filme auf Fernsehern. Aber ich denke, dass das in Zukunft besser wird, wenn die Technik besser ist und die Lehrer sich mehr damit auskennen.

 

Handyfreie Schule!?

Dann gibt es noch das Thema Handy/Smartphone an unserer (wie an fast jeder) Schule. Wir dürfen unsere Handys zwar mitnehmen, aber in der Schule müssen sie ausgeschaltet und unbenutzt in unserer Tasche verweilen. Daran hält sich aber kaum jemand. Teilweise sehr offensichtlich wird vor den Augen der Lehrer oder im Unterricht gespielt und gechattet. Aber da müssen sie sich auch nicht wundern. Viele Lehrer chatten selbst in der Pause oder werden im Unterricht angerufen.

 

Eine Ausnahme gibt es aber: Lehrer dürfen den Schülern erlauben ihr Handy im Unterricht anzuschalten und es für Rechercheaufträge o.ä. zu benutzen. Im Spanischunterricht wurde das Handy z.B. einmal dafür benutzt, spanische Handy-Vokabeln herauszufinden, indem die Sprache des Telefons einfach auf Spanisch umgestellt wurde. Das fand ich eine sehr gute Idee. Insgesamt ist mir das Thema “Handy in der Schule” aber relativ egal. Wenn man das Handy benutzen will, kann man dies mit gewisser Vorsicht auch tun. Ich jedenfalls brauche es in der Schule kaum.

 

Was ich auch noch erwähnen möchte, sind die Computerräume, in denen ITG-Unterricht (“Informationstechnische Grundbildung”) stattfindet. Dort kann man auch in den meisten großen Pausen reingehen, um Vorträge vorzubereiten oder andere Schulsachen zu erledigen. Im Unterricht gehen wir natürlich auch manchmal dort hin. Aber sowas hat vermutlich mittlerweile jede Schule.

 

Und in der Freizeit?

Nun zum Eigengebrauch von Smartphones, Computern oder Konsolen bei mir und meinen Freunden. Ich habe zwei Handys. Einmal mein altes mit einem Vertrag, der eigentlich nichts kostet. Das einzige was kostet, ist telefonieren und simsen in andere Netze, sodass ich ins Festnetz und meine Eltern umsonst anrufen kann. Das ist auch das, was ich eigentlich nur tue. Mein zweites Handy ist besser, hat mobiles Internet und ich habe viele Apps drauf. Ungefähr 70 Prozent Spiele, 20 Prozent (andere) Apps (Kartendienst, “App des Tages”, Taschenlampen-App etc.) und 10 Prozent Kommunikation. Damit sind meine 16 GB Speicherplatz fast weg. Nur ca. ein Viertel der Apps und der Spiele nutze ich regelmäßig, aber man will dann das meiste irgendwie  doch nicht löschen.

 

Die Hälfte der Zeit, die ich am Handy sitze, spiele ich. Zu 20 Prozent höre ich Musik oder chatte ich und 10 Prozent sind Recherche oder anderes. Meistens bin ich pro Tag zwei Stunden am Handy, es gibt natürlich auch Ausnahmen. Ich weiß, dass es bei vielen meiner Klassenkameraden ähnlich ist. Dazu habe ich noch einen etwas veralteten Computer, den ich aber eher seltener benutze. Spielen kann ich damit auch nicht unbedingt die anspruchsvollsten Sachen. Sonst benutze ich meinen Rechner eigentlich nur zum Recherchieren. Bei den meisten meiner Freunde ist es so, dass sie mehr spielen als ich: an Konsolen oder am Computer. Oft sind das Spiele FSK 18. Das finde ich nicht so gut, aber das ist ihr Ding.”

 

Foto: Kooperative Berlin