Bericht „Bildung in Deutschland 2014“

 

Das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) veröffentlicht im Abstand von zwei Jahren Berichte, die die Bildungs-

situation in Deutschland untersucht. Oder, wie Süddeutsche.de es beschreibt: „Der aktuelle Bildungsbericht zeigt die Schwachstellen des deutschen Schulsystems auf.“

 

 

Der 342 Seiten umfassende Bericht wird in der Presse oft nur vage diskutiert. Gemessen an der ausführlichen Vorlage erscheinen die Presseartikel doch dramatisch kurz und zusammenfassend. Im Fokus stehen dabei vor allem die Bildungsentwicklungen an Schulen und Hochschulen sowie außerhalb des Schulbetriebs. Das Thema Migration wird in der Presse breiter thematisiert als der eigentliche Untersuchungsschwerpunkt Inklusion. 

 

“Der Bildungsbericht ist Ermutigung und Auftrag zugleich. Die in den vergangenen Jahren eingeleiteten Modernisierungen des Bildungssystems zeigen Wirkung“, so Bundesbildungsministerin, Prof. Dr. Johanna Wanka, und die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Ministerin Sylvia Löhrmann, in einer gemeinsamen Erklärung.

 

Süddeutsche.de interpretiert die Ergebnisse anders. Laut Bericht beenden 57 Prozent der derzeitigen Absolvent_innen die Schule mit dem Abitur, was dazu führt, dass genauso viele junge Menschen ein Studium beginnen wie eine duale Berufsausbildung. Süddeutsche.de meint dazu: Dadurch hebe sich lediglich der „formale Bildungsstand der Bevölkerung“. Rund ein Viertel der Studienanfänger_innen breche ihr Studium schon bald wieder ab. 

Ebenfalls stellt süddeutsche.de heraus, dass die Bemühungen zur Inklusion behinderter Schüler_innen in den Schulbetrieb „erste Fortschritte“ zeigen. Gleichzeitig sei aber auch der Anteil von Schüler_innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf 6,6 Prozent gestiegen. Allerdings verfüge ein beachtlicher Teil des Lehrpersonals nicht über eine entsprechende Ausbildung. 

 

Deutlich stärker richtet n24.de die Berichterstattung fast ausschließlich auf die Situation von Menschen mit Migrationsgeschichte aus. So urteilt das Nachrichtenportal, dass es seit 2005 keine wesentliche Veränderung der Schul- und Ausbildungsabschlüsse von Menschen mit Migrationshintergrund gebe. Mehr als die Hälfte der Männer und Frauen türkischer Herkunft haben, laut Bericht, keinen Berufsabschluss.

n24.de verweist auf das heterogene Fazit der Autor_innen des Bildungsberichts: Deutschland verfüge über ein „Bildungswesen zwischen Bewegung und Stillstand“. Ein notwendiger Schritt sei das Balancieren von Berufs- und Hochschulausbildung.

 

Viel kontroverser setzt sich Spiegel Online (SpOn) mit dem Bericht auseinander: Ungewohnt kritisch und konkret gehen die Autor_innen des Berichts mit dem deutschen Bildungssystem um, so das Medium. Auch auf die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland geht Spiegel Online in der Berichterstattung ein, der Unterschiede insbesondere in der Betreuung frühkindlicher Bildungsangebote attestiert: Hier habe ein_e Erzieher_in eine zu große Gruppe, um sie angemessen zu fördern. Fast schon salopp urteilt SpOn: „Am meisten zu knabbern haben, dürfte die Politik an den Aussagen des Bildungsberichts zur Situation von behinderten Menschen im Bildungssystem“ und macht große Absprache- und Planfehler in der Bildungspolitik aus. 

 

Kritisch hinterfragt werden die Erkenntnisvorstellungen und das Vorgehen des Bildungsberichts in den Medien allerdings kaum. Auch mögliche Entwicklungen zum vergangenen Bildungsbericht 2012 werden in der Presse selten konkret thematisiert. Grund dafür ist womöglich die Breite der Erhebungen und Zahlen, die der Bildungsbericht bereitstellt. Dabei berücksichtigt der Bildungsbericht beispielsweise neue Unterrichts- und Bildungsformate wie digitale Medien und offene Bildungsmaterialien (sog. Open Educational Resources: OER) überhaupt nicht. Auch Schlagwörter wie „Computer“ oder „Internet“ kommen im Bericht nicht vor.

 

Übrigens: Der Bildungsbericht steht 2014 erstmals unter der CC BY SA-Lizenz, kann also ohne spezielle Genehmigung genutzt, verändert und verbreitet werden.

 

 

Foto: flickr.com / Axel Schwenke / Erdfunkstelle Usingen 2005 / CC BY-SA 2.0