Hightechverband entwirft „Digitale Agenda“ zum Medienwandel

 

Die technische Ausstattung von Schulen ist oft nur mittelmäßig. Vier von fünf Lehrer_innen fordern mehr Fortbildungsmöglichkeiten für digitale Medien, so eine Studie des Hightechverbandes Bitkom. 502 Lehrer_innen der Sekundarstufe I bewerteten die Einbindung digitaler Geräte in ihren Unterricht und die Ausstattung ihrer Schulen.

 

Bereits 2011 veröffentlichte Bitkom eine Studie zu diesem Thema. Im direkten Vergleich seien die Entwicklungen deutlich, so Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf: „In unseren Schulen verabschieden wir uns allmählich von der Kreidezeit, aber von der Digitalen Schule und vernetztem Lernen sind wir noch weit entfernt.“ Im Zuge der Erhebung bietet Bitkom eine „Digitale Agenda“, deren Effekt und Zielsetzung allerdings nicht erläutert wird. Ein digitaler Unterricht wird in der Umfrage suggestiv als Wunschvorstellung dargestellt, ohne dessen Vorteile und didaktisches Nutzen  zu formulieren.

 

Laut Umfrage befürworteten zwei Drittel der Lehrer_innen den Einsatz digitaler Elemente im Schulunterricht, 29 Prozent hielten ihn für „eher positiv“. Bei der letzten Umfrage 2011 hätten nur 13 Prozent positiv für eine digitale Gestaltung ihres Unterrichts gestimmt. Nur noch fünf Prozent lehnten 2014 neue Medien in der Schule grundlegend ab (2011: 23 Prozent).

Die Studie geht allerdings undifferenziert mit „den Lehrer_innen“ um: Es gibt weder eine Gliederung nach Schulformen noch nach soziodemographischen Spezifika der Befragten. 

 

 Welt.de deutet die neusten Zahlen kritisch und bemängelt vor allem die unzureichende digitale Qualifikation von Pädagog_innen sowie fehlende digitale Lehrmaterialien. Ob hier eine Einhaltung der „Digitalen Agenda“ jedoch Abhilfe schaffen könnte, wird nicht thematisiert. Josef Kraus, Präsident des deutschen Lehrerverbands, sagt im Gespräch mit welt.de der Studie widersprechend: “Man sollte nicht suggerieren, dass eine Schule, die mit klassischem Tafelbild arbeitet, überholt ist. Das klassische Tafelbild hat nach wie vor seinen großen didaktischen Nutzen.“

 

 Auch die Huffington Post schlägt einen eindeutig pessimistischen Ton an, versucht aber nicht, diese mit aussagekräftigen Statistiken zu untermauen: „Eigentlich, so möchte man meinen, müssten Schulen Vorreiter in Sachen Digitalisierung sein. […] Doch weit gefehlt. Es gibt immer noch Lehrer, die bevorzugen Kreide statt Touchscreen-Tafeln.“  Diese Aussage steht für sich allein und wird allenfalls sehr unzureichend begründet. Der Artikel stützt sich auf dieselben Zahlen und Aussagen, die von Bitkom und welt.de bereitgestellt wurden und von anderen Medien konträr oder weniger drastisch gedeutet werden.

 

Süddeutsche.de beispielsweise schreibt auf Grundlage des gleichen Datenmaterials: „Lehrer sind Technikmuffel, die krampfhaft an Tafel und Kreide festhalten? Im Gegenteil.“ Die Argumentation stützt sich vor allem auf die attestierte Bereitschaft von 57 Prozent der Lehrer_innen, fehlendes Equipment in der Schule durch private Geräte zu kompensieren. Die Leserkommentare monieren allerdings, dass dies in der freien Wirtschaft schon längst ein normaler Zustand sei und die Beobachtung nicht mit einem außergewöhnlichen Engagement der Lehrer_innen verwechselt werden solle. Außerdem sei nicht die Anschaffung neuer Geräte das eigentliche Problem, sondern der entstehende Wartungs- und Instandhaltungsaufwand, der für viele Schulen weder finanziell noch zeitlich zu leisten sei, so ein anderer Leser. 

 

Der Onlineauftritt der Tageszeitung „junge Welt“ behauptet gar „Pauker sind Technikfreaks“. Diese These ist an die offizielle Pressemitteilung von Bitkom angelehnt, die von „Technik-Fans“ spricht. Die „junge Welt“ spitzt diese Formulierung allerdings weiter zu, ohne die These mit den vorhandenen, konkreten Daten zu unterfüttern oder sie kritisch zu beleuchten.

 

Ebenfalls erfreut blickt bildungsklick.de auf die gestiegene Bereitschaft der Lehrer_innen, elektronische Medien im Unterricht zu nutzen. Allerdings geht das Bildungsportal detaillierter auf die konkreten Statistiken ein als die anderen Medien. Im Fokus stehen hier, trotz des positiven Grundtons, die Defizite der technischen Ausstattung und der Fortbildungsmöglichkeiten. Ob die Studie aussagekräftig ist und welchen Nutzen und Nachteile die vorgeschlagene Agenda für den Unterricht böte, wird jedoch auch hier nicht abgewogen.

 

 

Foto: Foto: flickr.com / Axel Schwenke / Erdfunkstelle Usingen 2005 / CC BY-SA 2.0